Mehr miteinander erreichen

Uli Hoeneß

Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.

(Karl-Heinz Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstags von Uli Hoeneß)

1788 erschien Adolph Freiherr Knigges berühmtestes Buch „Über den Umgang mit Menschen.“ 1979 wurde Uli Hoeneß mit 27 jüngster Manager der Bundesliga und gilt selbst bei seinen schärfsten Kritiker als der erfolgreichste. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt dies eindrucksvoll. Erzielte der deutsche Rekordmeister bei seinem Amtsantritt einen Jahresumsatz von 12 Millionen Mark bei 7 Millionen Verbindlichkeiten, lesen sich die heutigen Zahlen wie die Geschichte vom Würstchenverkäufer zum Millionär.

Der Stern des Südens

Die FC Bayern München AG hat im Geschäftsjahr der Saison 2016/17 neue finanzielle Bestmarken aufgestellt. Der Konzernumsatz stieg auf den Rekordwert von 640,458 Millionen Euro. Außerordentlich positiv hat sich die Ergebnisqualität entwickelt. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich um 22,2 Prozent auf 66,2 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern betrug 39,19 Millionen Euro und liegt damit um 18,6 Prozent über dem Vorjahreswert. (Quelle: Pressemitteilung FC Bayern München)

Gut im Umgang mit Menschen?

Doch kann der Uli auch mit Menschen? Mich interessiert, ob Uli Hoeneß seinen Knigge gelesen hat. Ob er im Umgang mit Menschen die gleiche Geschicklichkeit beweist wie im Managen eines Fußballvereins. (Auch wenn Hoeneß das Amt des Managers längst gegen Aufsichtsrat und Präsidentschaft eingetauscht hat, ist ihm das Machen näher als das die präsidiale Aufsicht.)

1. Widersprich Dir nicht selbst im Reden, Uli Hoeneß

Widersprich Dir nicht selbst im Reden, so dass Du einen Satz behauptest, dessen Gegenteil Du ein andermal verteidigt hast.

(Über den Umgang mit Menschen, Adolph Freiherr Knigge, Teil 1, 24)

Die Würde des Menschen ist unantastbar, Ihr Arschlöcher!

(Quintessenz der Pressekonferenz des FC Bayern vom 19, Oktober 2018)

Artikel 1 des Grundgesetzes

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Schon heute legendär, die Pressekonferenz im Oktober 2018.

Es kommt nicht oft vor, dass der Artikel 1 des Grundgesetzes und damit die unantastbare Würde des Menschen Bestandteil der Pressekonferenz eines Fußballvereins ist. Doch an diesem 19. Oktober 2018 ist an der Säbener Strasse, der Heimat des Deutschen Serienmeisters FC Bayern München ohnehin alles anders. Paul Breitner wird später im Blickpunkt Sport im Bayerischen Rundfunk sagen, dass er deprimiert sei, weil da einer das Grundgesetz mit Füße trete. Seine offenen und besonnenen Worte bescherte Paul Breitner noch vor Weihnachten die Verbannung von der Ehrentribüne des FC Bayern und die Offenlegung seines Gehaltes.

Fremdschämen

Es ging am 19. Oktober 2018 um Respekt und Anstand, um Gürtellinien, was man sich zukünftig gefallen lassen und wogegen mit rechtlichen Mitteln vorgehen wolle. Letztlich also um die Frage wie man miteinander umgehen wolle. Die schon heute legendäre Pressekonferenz des FC Bayern ist ein Lehrvideo für alle, die wissen wollen, wie man Respekt und Anstand die Würde nimmt. Man muss sich nicht für Fußball interessieren, um bei dieser Pressekonferenz Fremdschämen deluxe zu empfinden.

Weisse alte Männer, ick hör Euch trapsen

So unbedrängt hat sich der FC Bayern noch selten entblößt. Das Imperium will zurückschlagen, schlägt sich aber selbst. Weisse alte Männer, ick hör Euch trapsen: Da wird an die Würde des Menschen appelliert und Juan Bernat des selben Scheissdreckspielens wie Mesut Özil bezichtigt, da wird dem eigenen Sportdirektor das Wort abgeschnitten, da beschwert sich die personifizierte Abteilung Attacke über von langer Hand geplante Attacken des Laptop-Mitglieds Bachmayr auf der Hauptversammlung des FC Bayern.

Jener Uli Hoeneß, der Christoph Daum– im ZDF-Sportstudio – daran erinnerte, dass die Gesetze dieses Landes auch für ihn gelten, der Louis van Gaal als menschliche Katastrophe bezeichnete, und damit kokettiert, wenn er die Wahrheit über alles, was erlebt habe, ausplaudere, nach Australien auszuwandern müsse. Austeilen, aber nichts einstecken können. Das widerspricht sich in der Tat.

Knigge rät: So wie viele Menschen widerspricht sich auch Uli Hoeneß ständig. Will es aber nicht wahrhaben. Sollte sich beim Kaiser eine Scheibe abschneiden. Der interessierte sich schon heute nicht mehr für sein Geschwätz von gestern.

2. Lerne Widerspruch zu ertragen, Uli Hoeneß

Lerne Widerspruch zu ertragen. Sei nicht kindisch eingenommen von Deinen Meinungen. Werde nicht hitzig, noch grob im Zanke. Auch dann nicht, wenn mann Deinen ernsthaften Gründen Spott und Persiflage entgegensetzt. Du hast, bei der besten Sache schon verloren, wenn Du nicht kaltblütig bleibst und wirst wenigstens auf diese Art nie überzeugen.

(Über den Umgang mit Menschen, Adolph Freiherr Knigge, Teil 1, 29)

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!

(Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrats der DDR 1961 auf einer Pressekonferenz)

Denn, wenn ich so reagiert hätte wie früher, dann Gute Nacht!“

Uli Hoeneß äußert sich zwei Tage nach der Hauptversammlung des FC Bayern München vor Journalisten zur „Brandrede“ von Herrn Bachmayr. Dünnhäutig ist er geworden der Alt-Meister der Polemik und unterstellt dem Polemik-Azubi Bachmayr eine von langer Hand vorbereitete Kampagne gegen ihn, den Altphilologen und Philosophen. Majestätsbeleidigung!

Das ist mein Verein

Den Faktencheck, ob Herrn Bachmayrs Kritik doch mehr ist als reine Polemik, den übernahm die Redaktion von Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs . Doch auch zwei Tage nach der Hauptversammlung hatte Uli Hoeneß noch immer seine ganz eigene Sicht der Dinge. Der Mann, der über isch selbst sagt: Ich kann sehr gute mit Kritik umgehen, wenn sie berechtigt ist. Der Mann, der nicht aber sagen kann, was er Bachmayr eigentlich konkret vorwirft. Der FCB c’est moi, Ihr undankbaren Narren!

Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du Philosoph geblieben

„Insbesondere von Herrn Bachmayr ist der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und jetzt Präsident zu beschädigen. Und durch polemische Behauptungen und fast alles falsche Unterstellungen. Und da muss ich ehrlich sagen: ich war schockiert, ich war total überrascht. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich darauf nicht reagiert habe, denn darauf hat ein Teil, ein ganz kleiner Teil, dieser Gruppe gewartet, denn dann wäre genau das Chaos entstanden, das ich beim FC Bayern noch nie erlebt habe. Ich bin erinnert worden an die eine oder andere Hauptversammlung bei anderen Vereinen. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe jetzt 40 Jahre daran gearbeitet, dass der FC Bayern das ist, was er jetzt geworden ist, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt und ich hoffe, dass sich das wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern. Denn das ist etwas, was ich nicht akzeptiere.“

Ich verlange eine Entschuldigung

„Solange sich Herr Bachmayr nicht bei mir entschuldigt für diesen Auftritt, werde ich mit dem nicht sprechen. (Frage eines Journalisten: Was genau hat Sie gestört? Klar es war polemisch. Sie sagen: vieles wahr unwahr, was genau? Ich habe heute keine Lust mich zu rechtfertigen, Ich werde mir das ganze Video in aller Ruhe noch mal anschauen, denn ich muss ehrlich sagen, ich war so aufgewühlt, dass ich nicht alles mitgekriegt habe und ich habe mich die ganze Zeit zusammenreissen müssen, nichts zu sagen, sonst wäre das alles möglicherweise aus dem Ruder gelaufen und das wäre nicht gut gewesen für Bayern München. Dieser Abend macht mir Sorgen, aber das eine oder andere Medienunternehmen, die einen oder andere Zeitung hat wochenlang in unglaublicher Art und Weise Stimmung gegen mich und den Verein gemacht, da braucht man sich nicht wundern, wenn das irgendwann auf fruchtbaren Boden fällt.“

Mit Laptop auf Bühne. Was erlaube Bachmayr!

„Jedenfalls eine Hauptversammlung wie wir sie am letzten Freitag erlebt haben, die will ich nicht mehr. Dann ist das nicht mehr mein FC Bayern. {…} Das ist auch gut organisiert gewesen, das war ja von langer Hand geplant. Herr Bachmayr war ja mit einem Laptop auf der Bühne. Er hat auch gar keine Fragen gestellt. Normalerweise stellt man ja Fragen, sondern er hat ganz klar gezielt hier attackiert. Darauf waren wir nicht vorbereitet waren und ich bin froh, dass ich so besonnen reagiert habe. Denn, wenn ich so reagiert hätte wie früher, dann Gute Nacht!“ (Abgang)

Knigge rät: Auch Bauchmenschen sollten ab und an den Kopf einschalten.

3. Stelle niemanden bloß, Uli Hoeneß

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern.

(Über den Umgang mit Menschen, Adolph Freiherr Knigge, Teil 1,4)

Eure Scheiß-Stimmung, da seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir.

(Uli Hoeneß zu den eigenen Fans)

Man sagt über Uli Hoeneß, er kümmere sich um seine Bayern wie ein fürsorglicher Vater um seine Kinder. Die rührige Geschichte von der FC Bayern-Familie. Sind die Kinder brav, ist alles prima doch wehe jemand wagt es dem Vati zu widersprechen, dann fällt er um, der Watschnbaum!

10 Klassiker aus der Abteilung Attacke

  1. „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen wird Lothar Matthäus nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion!“
  2. „Wenn Klinsmann Obama ist, dann bin ich Mutter Teresa.“
  3. „Zu Frau Strunz möchte ich nur zwei Sätze sagen: Eigentlich gehört’s ja nicht hier her, aber ich hoffe, dass der Stefan genug Geld hat, sie ewig mitfinanzieren zu können. Denn zuerst schmeisst sie sich dem verheirateten Thomas Strunz an den Hals, als dann das Geld ein bißerl weniger wird, geht sie zum Stefan Effenberg.“
  4.  „Sein Problem ist, dass Louis sich nicht für Gott hält, sondern für Gott-Vater. Bevor die Welt existierte, war Louis schon da. So wie er die Welt sieht, funktioniert sie nicht. “
  5. „Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt.“
  6. „Was man da lesen musste, hatte ja eigentlich nichts mehr mit Kritik an der Leistung zu tun, sondern war eigentlich nur noch eine Abrechnung mit einzelnen Spielern.“ (Karl Heinz Rummenigge in der Pressekonferenz zum Artikel 1 des GG)
  7. „Zum zweiten Mal habe ich jetzt gehört, dass Du den Juan Bernat so verherrlichst (an den Journalisten Uli Köhler gewandt), das Wohl und Wehe des FC Bayern hängt davon ab, dass wir JUAN BERNAT (starke Betonung) nach Paris verkauft haben. Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür vernatwortlich, dass wir fast ausgeschieden waren. Und an deeeeem Tag ist entscheiden worden, dass wir ihn abgeben! Weil er uns fast die ganze Champions-League gekostet hätte. Und da hätte ich gerne danach mal gerne Deinen Kommentar gehört, was der für nen Scheissdreck gespielt hat, auf Deutsch gesagt, ja!“(Uli Hoeneß ebenda 10 Minuten später)
  8. „Der sagt zu allem irgendwas. Stoßen in Tschechien zwei Spieler mit dem Kopf zusammen, weiß er, dass das in Leverkusen 1934 auch schon passiert ist.“ (Über Reiner Calmund)
  9. „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird.“ (Über „Bayern“ von den Toten Hosen)
  10. „Das Foul von Bellarabi war geisteskrank, eine Dummheit, Körperverletzung. Der gehört drei Monate gesperrt.“

Knigge sagt: Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird.

4. Lehn‘ Dich nicht zu weit aus dem Fenster, Uli Hoeneß

Flicke keine platten Gemeinsprüche in Deine Reden ein.

(Über den Umgang mit Menschen, Adolph Freiherr Knigge, Teil 1,27)

Nehmt euch aber kein Beispiel an ihren Taten! Denn sie halten selbst nicht ein, was sie von den anderen verlangen..

(Jesus über die Pharisäer, Markus 12,38-39)

Insbesondere von Herrn Bachmayr ist der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und jetzt Präsident zu beschädigen.

(Uli Hoeneß, Tadelloser, Herbst 2018)

Wegen guter Führung

13.03.2014 Urteil
02.06.2014 Haftbeginn
29.02.2016 Entlassung auf Bewährung
02.12.2017 Ende der Strafe

Bereits vor seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hat sich Uli Hoeneß intensiv mit Steuern, Reichtum, Finanzmärkten, kleinen Männern und Moral beschäftigt.

TÄTÄ TÄTÄ TÄTÄ

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“

Uli Hoeneß 2005 in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“

Uli Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“

Uli Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“

Uli Hoeneß 2011 in der Zeitschrift „Brand Eins“

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: ‚Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“

Uli Hoeneß 2011 in der Zeitschrift „Brand Eins“

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“

Uli Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag

Knigge empfiehlt: Ruhestand auf Hawaii oder den Malediven.

5. Sei heiter, Uli Hoeneß

Zeige so viel Du kannst, eine immer gleiche heitere Stirne! Nichts ist reizender und liebenswürdiger, als eine gewisse, frohe, muntre Gemütsart, die aus der Quelle eines schuldlosen, nicht von heftigen Leidenschaften in Tumult gesetzten Herzens hervorströmt.

(Über den Umgang mit Menschen, Adolph Freiherr Knigge, Teil 1,15)

Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.

(Joachim Ringelnatz)

Ich weiss nicht wie Uli Hoeneß auf den Anruf Reiner „Calli“ Calmund reagiert hat, aber vielleicht schaut er er sich den Calli Raab ja noch mal an. Damit er mal wieder vor befreit auflachen kann statt geqüalt zu lächeln. Es würde dem Mann, der von sich behauptet kein Besserwisser sondern ein Bessermacher zu sein, gut tun.

Knigge sagt’s mit Hesse: Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.

Fotonachweis

Von Foto:Harald Bischoff / , CC BY-SA 3.0, Link

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