Keine Frikadelle ans Ohr labern.

Warum darf ich andere nicht unterbrechen? Schweigen ist Silber, Zutexten ist geil. Frage ich Menschen, was sie als besonders höflich empfinden, antworten sie gerne und oft: „Andere ausreden lassen.“ Und meinen damit meist, dass andere sie ausreden lassen sollen. Zuhören, Perspektivwechsel – jeder, der schon einmal ein Kommunikationsseminar besucht hat, weiss, was zu tun und zu lassen ist, wenn das Zwischenmenschliche gelingen soll.

Wer jedoch den Mike Krüger Fan oder Fips Asmussen Imitator im Großraumbüro sitzen hat, wer Tür an Tür mit Else Klings Wiedergeburt wohnt oder mit dem zum Bersten prallen Pegida-Wutwürstchen in der Kneipe den Tresen teilt, der wünscht sich nichts mehr als den Unterbrecher-Knigge: „Wie Sie dem, der viel redet, aber nichts zu sagen hat gekonnt das Wort entziehen.“ Letztlich ist es wie in der schönsten Nebensache der Welt. Was wiegt ein „Kannst du mir deine Nummer geben, ich hab meine vergessen“ gegen den wortlos zu den Lippen geführten Zeigefinger?

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