Ich habe mal in DÜSSELDORF gewohnt. In Düsseldorf bauen sie gerne. Baustelle auf dem Bürgersteig. Ein Loch im Boden. Alte Kabel raus, neue rein. Eine kleine Holzbrücke darüber. Zu schmal für zwei Personen.

Ein schmaler Grat

Ich gehe auf das Nadelöhr zu, auf der anderen Seite nähert sich ein junger Mann. Was tun? Fragen Sie 100 Leute sagen 99: „Kurz zur Seite treten und dem anderen den Vortritt lassen.“
Kein Thema.
Ich nähere mich mich dem Übergang. Mein Heiligenschein auf Fernlicht: Ich sehe genau wie der junge Typ selbstverständlich auf die Holzbrücke zugeht.
Der grinst auch so dreist. Ich weiss ganz genau, was der denkt: Bis der Opi da ist, bin ich schon in Köln!
Pustekuchen. Nicht mit mir. Ich war mal Lacrosse-Nationalspieler. Im letzten Jahrtausend. Das schaffe ich noch so gerade. Ich werde schneller. Wir kommen gleichzeitig an!

Höfliche Unhöflichkeit

Da denke ich mir, Moritz: Du bist ja der Knigge. Mache meinen Heiligenschein aus und zeige ihm an: „Bitte. Nach Ihnen!“ Und was macht der? Grinst weiter so dreist und zeigt mir seinerseits mit einer selbstgefälligen Geste an, dass er mir den Vortritt gewährt. Will mir meine Höflichkeitsgeste klauen! Mir, dem Knigge. Wie unhöflich.
Nach Ihnen – Nein, bitte nach Ihnen
Nein, wirklich, nach Ihnen Ich bitte Sie! 
So geht das eine Zeit lang. Irgendwann reicht’s mir! 
Wer ist denn hier der Knigge, wer macht denn hier die Regeln?
„Komm’ jetzt rüber! Ich habe meine Zeit auch nicht gestohlen!“
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