Knigge sagt: Gehen Sie ruhig vor, Sie haben doch nur die paar Teile.

Schon wieder die Wursttheke. Doch diesmal stehe ich allein davor. Die Verkäuferin ist noch damit beschäftigt, die frischen Wurstwaren in der Auslage zu drapieren. Kein Problem, die eine Minute Wartezeit bringt den eigenen Tagesablauf nun wirklich nicht durcheinander (aber das hatten wir ja bereits). Schließlich ist die Verkäuferin fertig und wendet sich mit der üblichen Frage an ihre potenziellen Kunden: „Wem darf ich weiterhelfen?“

Merkwürdige Frage, denke ich; ist doch der ältere Herr soeben erst an meiner Seite aufgetaucht. Ich setze gerade an, meine Aufschnittwünsche zu formulieren, da beginnt der Nachzügler bereits damit, seine Bestellung aufzugeben! Derselbe feinfühlige Zeitgenosse im Übrigen, der mir fünf Minuten zuvor im Aufzug mit genervtem Augenrollen zu verstehen gegeben hatte, dass er schon längst auf dem Weg in den zweiten Stock sein könnte, wenn ich nicht den Kavalier hätte spielen müssen, um für die herbeieilende vierköpfige Familie die Tür offen zu halten. Wer mir eine halbe Stunde später mit Hilfe seiner breitbeinigen Körperhaltung auf der Rolltreppe zu verstehen gab, dass man in England ja rechts stehen und links gehen mag, wir uns jedoch schließlich in Deutschland befänden, brauche ich Ihnen wohl nicht weiter zu erläutern …

  • Sie finden eine Schlange vor? Stellen Sie sich hinten an, und verzichten Sie auf rhetorische Fragen wie „Entschuldigung, stehen Sie hier auch an?“

Sie haben Georg und Kati etwas weiter vorn in der Schlange entdeckt? Solange Sie sich auf deutschem Boden befinden, können Sie sich glücklich schätzen! In den wenigsten Fällen müssen Sie sich mit dem Missmut der anderen Wartenden auseinandersetzen, die Sie links überholt haben. Es scheint sich bei uns um eine Art ungeschriebenes Gesetz zu handeln, die rheinische Maxime „Man kennt sich, man hilft sich“, zu dulden.

In Abwandlung des bekannten Mottos „Der Ehrliche ist immer der Dumme“, lässt sich für das Schlangestehen festhalten: Wer sich hinten anstellt, ist immer der Dumme! Sei es am Taxistand am Flughafen, am Skilift, an der Theke, der Haltestelle, am Büfett oder im Supermarkt. Immer wieder müssen wir uns kopfschüttelnd über „pfiffige“ Zeitgenossen ärgern, die einen Weg finden, um sich vorzudrängeln.

  • Erhöhen Sie den sozialen Druck, sagen Sie etwas!

Wenn nämlich die Dreisten immer wieder auf die Passivität der wartenden Menge vertrauen dürfen, dann werden sie sich auch zukünftig wieder in die erste Reihe drängeln! Werden Sie nicht grob oder laut, bleiben Sie höflich und ein wenig süffisant. Nur wer dem Ertappten erlaubt, ohne Gesichtsverlust seinen Platz am Ende der Schlange einzunehmen, wird sein Ziel erreichen.

Können Sie sich vorstellen, dass die Menschen in London nach den dortigen islamistischen Terroranschlägen auf die U-Bahn und einen Linienbus immer noch diszipliniert am Taxistand warteten? Schwierig, nicht wahr? Wenn ich nur daran denke, wie Menschen in unserem Land die Schlangen an Taxiständen (zum Beispiel an Flughäfen) auch in friedlichen Zeiten ignorieren und den ankommenden Taxen Hunderte von Metern entgegenlaufen, um sie auf der Straße abzufangen!

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