Knigge-Regel: Ungefragt zurück SIEZEN. Ich werde selten ungefragt geduzt. Im Gegenteil, wenn ich auf Menschen treffe, die wissen wer ich bin, dann fragen Sie mich, wie sie mich richtig  ansprechen sollen. Dann antworte ich: „Solange Knigge drin vorkommt, fühle ich mich angesprochen.“ 

Bitte Abstand halten, wir bedanken uns für Ihr Verständnis

Mit meinem Namen ist das auch echt kompliziert. Ich bin ein echter Knigge, da liegt ein „von“ im Namen nah und doch haben wir Knigges kein „von“. Ich bin adlig, aber eigentlich nicht, da es seit 1918 keinen Adel mehr gibt und der Titel dem Namen zugehörig erklärt wurde. Vor 1918 wurde der Freiherr als Baron angeredet, aber das kommt 2108 den meisten Menschen nicht besonders leicht über die Lippen. Wenn ich ungefragt geduzt werde, dann Sieze ich meist ungefragt zurück. Nicht um den anderen bloßzustellen sondern um eine Grenze zu ziehen und dem anderen die Möglichkeit zu geben vom DU zum SIE zurückzukehren.

Nicht einmal ein DU

Ich ärgere mich selten über Unhöflichkeiten, weil die meisten nach meiner Erfahrung eher mangelnder Regelkenntnis als bösartiger Unverschämt entspringen. Letztlich sprach mich ein junger Mann, früher hätte man ein Halbstarker gesagt, an: „Feuer?“ Er sah, dass ich rauchte und wollte das Gleiche tun. Seine Bitte war auf das Wesentlichste reduziert. Kein „Entschuldigen Sie bitte?“ Kein „Bitte“, auch seinen Gesichtsausdruck habe ich nicht als besonders freundlich in Erinnerung. Ich habe ihn angeguckt und gesagt: „Selbstverständlich“ und ihm Feuer gegeben. Er lächelte mich an und sagte im gebrochenen Deutsch: „Viele Dank.“ Alles gute, dachte ich. Rauchte weiter und war froh, dass ich mich nicht über die fehlende Etikette aufgeregt hatte und freute mich darüber, dass meine Geste mit einem Lächeln belohnt worden war. Ganz ungefragt und ungeduzt.

Share This