Wer betritt zuerst ein Restaurant?

Wer betritt zuerst das Restaurant?

Ich will die Frage einordnen. Wer mit Dame unterwegs ist, bleibe Herr der Lage. Und mache dabei bella figura. Die Restaurant Tür öffnen, um Pfützen und Autos herum führen, Hüte ziehen, Stühle anbieten und in Mäntel helfen. Meine Herren, solange es Damen gibt, verbeuge man sich und mache sich Mühe. Ganz mühelos.

Mein Vorfahr schrieb: »Wenn der Herr eine Dame führt, um sie nicht zu stoßen, so halte er mit ihr gleichen Schritt und trete mit dem selben Fuße auf wie sie es tut.« Damen haben Vorrang. Er lasse ihr den Vortritt. Er folge ihr nach. Er schütze sie. Herr behandele Dame, wie es ihr gebührt: zuvorkommend. Warum? Darum. »She’s a Lady«, Tom. Landauf und treppab erhebe er sich, wenn sie sich erhebt – um sie zu erheben.

Im Restaurant: Keine Regel ohne Ausnahme

Durch Türen von Gasthäusern, Kaufhäusern und Restaurants geht der Herr voran, um die Dame vor möglichen Gefahren zu bewahren. Er schreitet schützend und abwehrbereit als erster in den unbekannten Raum und bedeutet ihr nach dessen Inspektion in der Regel: »Keine Schießerei, keine dreckigen Witze und keine Dosenravioli – Gnädigste, die Luft ist rein.« Jetzt nur noch aus dem Mantel helfen, den Stuhl zurechtrücken und schon wissen beide: »Hier sind wir richtig, dürfen Herr und Dame sein.« Und richtig: Der Dame wird zuerst serviert. Bevor sie mit ihrem Löffel in die Suppe taucht, um dem Herrn der Schöpfung zu bedeuten: »Iss, Junge.«

Restaurant Tür aufhalten international

Woher also die Unsicherheit? Vielleicht, weil die Dame aufstand, um Frau zu werden. So wie eine Studierende, die mich in Hamburg entgeistert anschaute, als ich ihr die Tür aufhielt: »Um Gottes Willen Herr Knigge! Was kommt noch, helfen Sie mir in die Jacke?« Vielleicht aber auch, weil heute viel mehr Menschen reisen und wissen: Auch andere Länder haben schöne Sitten. Wie zuletzt in Umbrien, Piazza Sant’Angelo, im »i Sette Consoli«. Ein milder Herbstabend im grünen Herzen Italiens. Ich traf Sophia und Gianluca. Und hatte schon die Klinke in der Hand und einen Fuß in der Tür, als Gianluca mich am Arm fasste: »Psst… Monsignore Knigge, Sie möchten doch Belladonna nicht ihren Auftritt verderben? Nein, das möchten Sie nicht.«

Kurz vor Mitternacht, mit einem Glas 96er Vin Santo Avignonesi in der Hand und umspült von der vollen Pracht Italiens freute ich mich, wieder etwas gelernt zu haben. »Nach Dir, Schönheit.«

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